Selbstbestimmung als Aufgabe

8. Der Fehler des Lernens und Planens aufgrund von Normalerwartungen

1.
Wir hatten bereits in grosser Zahl Formeln, Ahnungen, Intuitionen, worin der oder die Fehler des Normalplaners bestehen; die Überlegungen des letzten Kap.s zur fiktiven Optimalhypothese des Normalplanens haben diese Ahnungen nur weiter vermehrt; der Fehler soll jetzt endlich präzise erfasst werden.
Lernen ist für den Normalplaner eingeschränkt auf den Erwerb von solchem Wissen, das die Verbesserung einer Ausgangsnormalpraxis in Richtung auf eine ihr gegenüber optimierte, wenn nicht optimale Ziel-Normalpraxis erlaubt. Die Zielpraxis ist optimal, wenn sie die nach seinen Begriffen grundsätzlich erkenn- und überhaupt kennbaren Selbsterhaltungs-Optionen der Umwelt, in der sich sein Leben abspielt, vollständig ausgeschöpft hat. Darin ist dreierlei enthalten:
Erstens, es gäbe noch Mannigfaches zu wissen, das aber den Normalplaner als solchen nichts angeht, dh. interessieren braucht (und von ihm höchstens zu spielerischen und Unterhaltungszwecken, vielleicht später einmal, angeeignet werden wird: Nützlich kann es ja, per definitionem, nicht mehr werden).
Zweitens, es gibt eine Grenze der Steigerbarkeit von Sicherheits- und (Re)Produktivitäts-Spielräumen, zumindest für die Maximal-Geschwindigkeit dieser Steigerung, die in der Natur der Umgebung festgeschrieben ist, und durch keine Anstrengung zu überschreiten ist (weshalb solche auch zu unterlassen ist) (ebenso aber auch: Es gibt eine Minimal-Geschwindigkeit, die nicht unterschritten werden braucht...).
Das bedeutet nicht, dass es nicht Fortschritt gibt, bloss, dass das (Aus-)Mass des Nötigen und  Möglichen in diesem Fortschritt nicht über diese Grenze hinaus verändert, und seine Richtung nicht zu Vorgehensweisen jenseits der ermittelten Variationsbreite des bereits Bekannten verschoben werden kann.
Drittens, selbst die grössten Eingriffe in Richtung auf die Optimalpraxis können sich nicht gänzlich von der Ausgangspraxis entfernen; diese Ausgangspraxis kann nicht in entscheidenden Hinsichten gänzlich falsch gewesen sein.
Das im 6. und 7. Kap. Gesagte, und auch schon die drei Formeln des Scheiterns sollten gezeigt haben: Diese drei Grundsätze sind nicht Resultate der Erfahrung des Normalplaners; sie sind vielmehr aus seiner Sicht die einzigen Bedingungen der Möglichkeit, wie man Erfahrung überhaupt verarbeiten, und eine, nämlich seine Lernstrategie, und ein Verhältnis zum Bekannten wie Unbekannten, haben kann; ja, man könnte sagen: Sie sind die Bedingungen, wie die Welt für ihn überhaupt Sinn machen, und er in dieser Welt und aus ihr etwas Sinnvolles machen kann; wenn diese Bedingungen tatsächlich einmal nicht mehr gelten sollten, gelten nicht andere; sondern alles wird SINNLOS. (D.h.die drei Grundsätze sind nicht nur seine Lern-, sondern (damit, als solche auch)  SINN-BEDINGUNGEN.)

2.
Man muss die Klagen von Normalplanern über ihr Scheitern deshalb sehr ernst nehmen. Vor allem darf man ihre Verzweiflung nicht vordergründig verstehen, so, wie sie sie auszusprechen scheinen angesichts der Anlässe, an denen sie es tun: Nämlich als schwere, praktische Missgeschicke, die sie getroffen haben. Normalplaner sind Realisten; sie rechnen mit Missgeschicken, ihr Hauptvorwurf, den sie gegen sich selbst erheben, ist, dass sie versäumt haben, sich darauf einzustellen. Die wahre Verzweiflung des Normalplaners gilt aber nicht der Einbusse an Handlungsspielraum, die er erlitten hat; sondern sie ist Verwirrung, und abgrundtiefe Ratlosigkeit; denn die Missgeschicke, die den Anlass bilden, haben ihn auf eine grundlegende Mangelhaftigkeit seines ganzen Planens aufmerksam werden lassen, mit der er nicht gerechnet hat, und zu der er (vgl. 5/38, vorletzter Satz) keine Alternative weiss.
Das Scheitern des Normalplaners ist ein „kognitives“; er spürt das, er bemerkt die Konsequenzen eines Fehlers in seinem Denken; aber er kann ihn nicht aufdecken, und wird (wie sich zeigen wird) lernen, diesen Fehler immer weiter gehend zu unterlassen, ohne ihn je verstanden zu haben.
(Hätten WIR ihn verstanden, dann bestünde weder Bedarf nach der voraufgegangenen noch nach der folgenden Untersuchung.)


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8a. Die Verwechslung von Lernen und Wirken, daraus entstehende Regresse, und die zwei Richtungen des Wissenserwerbs (bestätigend, falsifizierend)

3.
Die letzte Fehler-Formel, die wir ins Auge fassten, war im Grund die des Kap.6: Normalplanung ist kein Optimalhypothesenbilden, sollte es aber sein. Nur: wenn sie es nicht ist - was ist sie dann? Wir hatten bereits solche Dinge festgestellt wie: Der Normalplaner bildet Erwartungen, statt Hypothesen; Hypothesen werden falsifiziert, Erwartungen sind überdies auch „bestätigt“; ob und welche Erwartung man hat, hängt vom (zu optimierenden) Verhältnis zwischen Bestätigungen und Widerlegungen ab. Er hat Erwartungen, was geschieht, sowohl wenn er bestimmtes tut, als auch, wenn nichts; er hat unbedingte (kategorische) Erwartungen, speziell hinsichtlich der Randbedingungen (Ereignisse, Strukturen, Dispositionen) seiner Reproduktion - und bedingte Erwartungen, hinsichtlich technisch kontrollierbarer (aber auch natürlich auslösbarer) Dispositionen, die er für seine reproduktive und produktive Arbeit benötigt, und planvoll zusammenfügt - abgestimmt und synchronisiert mit unbeeinflussten, natürlichen und so wie vorgefunden genutzten (oder unterdrückten, im Schadfall) Sachverhalten. Er lässt die bedingten Erwartungen angreifen am unbedingt-Erwarteten, und unter ständig modifizierenden Eingriffen in Gestalt von zweckmässigen Handlungen entlang der Stationen-Reihe, wo sich die produktiven Akte wieder mit unbedingt-Erwartetem zusammenfinden müssen, lässt er sie schliesslich in Selbst-erhaltenden Bedürfnis- oder diese Selbsterhaltung absichernden Bedarfs-Befriedigungen enden (vgl. die ähnliche Darstellung in 7/20); ausgehend von diesen Endpunkten des zweckmässigen Tuns, ergeben sich von selbst Effekte der genannten erwünschten beiden Arten, und hoffentlich nicht allzuviele unerwünschte, die inkaufzunehmen sind. Auf die Weise spätestens werden von ihm selbst bessere Randbedingungen und technische Dispositionen seines Reproduzierens reproduziert, als von Natur aus in der von ihm bewohnten Umgebung vorhanden gewesen wären. So schliessen sich die Geschehnisse und Handlungen erwartungsgemäss zum reproduktiven Kreislauf, aus dem heraus, nicht weniger erwartet und planmässig, Überschüsse erwirtschaftet werden, die zur Steigerung seiner Produktivität und Absicherung gegen noch bestehende (bekannte) Gefahren eingesetzt werden.
Insofern Reproduktivität, erreichbare Fernziele (Optima) und Aufwände für dazu eventuell zu erwerbende und auszubildende technische Innovationen und Kenntnisse der Umgebung nicht feststehen, und insofern die Erfolge der Gesamtpraxis immer wieder von Schwankungsbreiten unterschiedlichster, nicht immer bekannter Randbedingungs-Parameter abhängen (um so mehr, in je komplexerer Weise technische Verfahren auf einer Abstimmung mit bestimmten, zu erwartenden und vorherzusehenden Ausprägungen solcher Parameter beruhen) - insofern also sind hinsichtlich all dieser Summen- und Global-Parameter und ihrer Entwicklung ebenfalls bedingte und auch unbedingte Erwartungen auszubilden, die die taktische und strategische Ausrichtung, vor allem Bestimmung von Gesamtbudgets und ihre wechselnde Aufteilung auf Modalitäten (reproduktiv, produktiv, experimentell) und Branchen der Gesamt(re)produktion, regulieren.

 

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(Lernen, Wirken verwechselt...)

4.
Das Handeln nach dem Rezeptschema SHE steht dann eigentlich immer zwischen zwei Erwartungs-Strecken, der einen, die auf es zuläuft, und ihm (spätestens im Verbund mit wiederum Handlungen) seine Voraussetzungen darbietet, die andre davon wegführend, als Strecke der direkten und indirekten Gesamtfolgen, die die Handlung H in näherer und fernerer Zukunft hat, und zu denen sie ihren Beitrag liefert.
Dies Handeln, insofern ihm immer schon Handlungen vorausgehen und ebenso welche nachfolgen, lässt sich dann natürlich (wie wir es auch schon öfter getan haben) auf die Gesamtpraxis ausweiten; S steht dann für eine Totalität erwarteter und hinsichtlich ihrer praktischen Bedeutung eingeordneter Situationen; diese Einordenbarkeit ist spätestens diejenige, die wir in Kap.7 im Zusammenhang mit der dritten Hypothese erörterten: erkennbare Ähnlichkeit mit (irgendeinem) Bekanntem; sie ist zwar im einzelnen abzuwarten, global aber und im Grundsatz für alles noch praktisch relevante Neue zu ERwarten; ansonsten ist sie ohnehin einfach der „Verlauf, wie erwartet“, auf der Rahmen- wie der Bereichsebene (ebenfalls im einzelnen nicht festgelegt, global aber, ob im Detail so oder anders verlaufend, im Groben und für Budgeteinteilungszwecke bereits hinreichend spezifiziert, „so“ zu erwarten).
E steht im Maximalfall für die erwartbaren Fernziele, auf jeden Fall eine Perspektive, die in keinem der jeweils zu erreichenden Zwischenstadien hinter das erwartete Bewältigbarkeits- oder Erfolgsmass zurückfällt, oder es wesentlich überbietet.
Das Handeln im Rahmen dieser nach dem Rezeptschema verstandenen Gesamtpraxis ist somit von Anfang bis Ende eingebunden in einen Erwartungsrahmen, den es nie verlässt: EsHEe; das gilt auch für jene Detail-Bestandteile von Situationen, die vielleicht nicht im Einzelnen so erwartet werden können, deren Besonderheit aber entweder mit bereits Bekanntem praktisch hinreichend vergleichbar ist, oder fürs Handeln keinen Unterschied macht; genau so wird es im Rahmen von EsHEe erwartet; und es gilt, natürlich, erst recht für die Global-Parameter.

5.
Was immer man lernend aus Sicht der Normalplaner noch verbessern kann, betrifft DIESE Struktur „Meine Normalpraxis (oder Normalität)“ (also nicht irgendeine, sondern DIESE gegenwärtige Normalpraxis des Normalplaners); was immer noch ungenau, oder verkehrt und suboptimal bestimmt ist, sind Gehalte von Kategorien, die durch diese Struktur definiert sind; da es sich bei dem zu Lernenden grundsätzlich um innerweltliches, Sachverhalts- und empirisches, nicht von uns „gemachtes“, sondern „widerfahrendes“, daher kennenzulernendes, abzuwartendes Material handelt, ist diese Art, Weltdinge zu klassifizieren nach der Rolle, die sie in einer gegebenen Ausgangs-Normalpraxis (der momentanen „Lernbasis“ gewissermassen; auf einem gegebnen Erfahrungsstand) oder auch in deren Folge-Normalpraxen spielen, quasi die Ontologie oder das welt-bezogene Kategoriensystem des Normalplaners, nach dem er seinen Wissenserwerb und das, wovon er glaubt Wissen erwerben zu können oder sollen, untergliedert und organisiert („wofür er sich interessiert; worauf er seine Aufmerksamkeit gerichtet hält“ usw.). Und seine Entgeisterung angesichts der Fälle, die niemals vorkommen können, weil sie (aus seiner Sicht) schlichtweg keinen Sinn machen würden, beruht darauf, dass für sie in seiner Ontologie, der Aufzählung der Arten dessen, womit in der, oder besser: seiner Welt (noch) gerechnet werden kann oder muss, kein Platz ist: Dass nämlich...
a) ...das Schlimmste oder Beste (die Gesamtheit des Schädlichen, Nützlichen), womit zu rechnen sein soll, kein verlässliches (endgültiges; „reguläres“) (verallgemeinerbares Gesamt-)Mass haben soll;
b) ...massgeblich Nützliches, Schädliches existieren soll, das so instabil ist oder war, dass es zu einzigartig oder selten ist oder war, als dass man darauf ebenso wie auf anderes, aber im Normalsinn „Reguläres“ (nämlich: nicht so einzigartig, stattdessen häufig genug sich immer gleich reproduzierend und ereignend, um es zu bemerken), eingestellt sein könnte;
c) ...dass praktisch relevantes neues Reguläres nicht soweit mit bereits bekanntem praktisch relevantem Regulärem vergleichbar sein soll, dass sich ein qualitativ eingegrenztes Versuchsprogramm zur Ermittlung der Differenz des Neuen zum Bestehenden, und eines gegenüber diesem Paradigma abzuwandelnden Umgangs damit (abgewandelte Art der Benützung im Nutzfall, der Vermeidung im Schadfall) ergibt.

6.
Das Handeln des Normalerplaners, hiess es eben, ist zu beiden Seiten abhängig gemacht von Erwartungen: Es schliesst lückenlos an Ausgangs-Erwartungen an, ebenso lückenlos schliessen sich an es Ziel- und Nebenfolgen-Erwartungen an; das Dazwischentreten des Handelns begründet zugleich diese Unterteilung; bezogen auf eine bestimmte, längere und zusammenhängende Handlung könnte man noch eine weitere Art, nämlich Ausführungs-Erwartungen (hinsichtlich dessen, was sich zwischen den einzelnen Ausführungsschritten ereignen muss und wird, damit sie gelingen) hinzufügen.
Wann immer es in der Praxis, dem praktischen Regelsystem des Normalplaners, neu Hinzukommendes: Differenzierungen, Erweiterungen, Anpassungen gibt, und zuvor in seiner Erfahrung Anlässe dafür in Gestalt von Beobachtungen, Entdeckungen, Versuchen (Versuche in seinem Rahmen, nämlich aufgrund „berechtigter Erwartungen“): dann immer so, dass dabei wenigstens eine der beiden Erwartungsgruppen, bezogen auf die zu ändernde Handlung, intakt bleibt; was darauf hinausläuft, dass die neu zu gestaltende Handlung, und vor allem die Gestaltung der Versuchspraxis, die auf sie hinführt, immer nur die Aufgabe hat, zu vorgegebenen, nämlich als solchen weiterhin erwartbaren Mitteln, eine neue Handlungs-Fortsetzung zu suchen, um veränderten Ziel-Möglichkeiten (Einschränkungen, Ausweitungen, indifferenten Abänderungen), als Erwartungen auf der Zielseite, gerecht zu werden; oder umgekehrt, dass die neu zu gestaltende Praxis und auf sie hinführende Experimente Ausfälle in den Mitteln ersetzen müssen, bei gleichbleibenden Zielen und Erwartungen auf der Zielseite.
Nur durch ihr Eingeschlossensein zwischen diesen beiden Erwartungssorten haben die Versuche zur Abwandlung einer Handlung einen derart präzisen Ort; nur darum lässt sich die experimentelle Aufgabe immer wieder sukzessive so eingrenzen, dass sie lautet: optimiere die Verwendung bisheriger Mittel nach Ausfällen oder unter neuen Umständen für weiter fort bestehende Ziele, oder finde neue Pläne und sie umsetzende Handlungen mit den bisherigen Mitteln, angesichts (als solche feststehender) neuer Rahmen-Aussichten. (Speziell bezogen auf die Ausführungserwartungen bei längeren technischen Verfahrens-Handlungssequenzen, lässt sich Entsprechendes sagen.)

7.
Dann könnte man den Einbruch der kognitiven Katastrophen, nämlich dessen, worauf der Normalplaner grundsätzlich nicht eingestellt ist, beschreiben als plötzlichen Zusammenbruch der Plan- und Erwartungsstruktur (nämlich der Sicherheit hinsichtlich der korrekten Priorität und Reihenfolge von Planschritten und/oder von damit zusammenhängenden regionalen oder globalen Plan-Erwartungen im Umfeld einer Handlung oder Handlungssorte), derart dass die Festschreibung der Erwartungs-Parameter dieses Umfelds als Invariante und Quelle aller massgeblichen Vorgaben für die nachfolgende Versuchspraxis misslingt.
Das Verrückte ist, dass es für die genannte Strategie garnichts ausmacht, wenn eine Ausgangspraxis auf Dauer sowohl hinsichtlich ihrer Mittel, als auch ihrer Ziele völlig umgebaut wird - genauer, wenn dramatische Änderungen sich diesseits wie jenseits ein und derselben ursprünglichen Handlung, Handlungssequenz oder eben sogar (Teil)Praxis abspielen, und am Ende nichts mehr ist wie zuvor: Solange nur das Loch, das jeweils durch eine einzelne unerwartete Entwicklung (denn einen Anstoss braucht der Normalplaner bekanntlich immer, um überhaupt wissens-erwerbend tätig zu werden) in den Plan gerissen wird, nicht so gross wird, dass der anschliessende, erzwungene Versuchsplan ALS Plan mit Erwartungen sich nicht mehr aus den Erwartungen der jeweils „stehengebliebenen“ Planabteilungen konstruieren lässt.
Das Aufreissen seines Plans oder das Aufklaffen einer zu grossen Lücke darin treibt den Normalplaner genau dann zur („kognitiven“) Verzweiflung, wenn darin für ihn das Scheitern seiner Art zu planen anschaulich wird. Er braucht eine Präferenzenordnung für Hypothesen und Versuchsanordnungen (Experimente); sie zu erstellen, ist ihm durch die (immer wieder unangenehm in Gestalt von Überraschungen und Versäumnissen sich in Erinnerung bringende) existenzielle Unsicherheit seiner GESAMTSituation aufgegeben. Und er versucht, durch seine Art des (Versuchs)Planens, DIESE Präferenzenordnung mithilfe derselben Regeln zu konstruieren (und sie garnicht erst als eigenes Thema zu behandeln), mit denen er die Prioritätenliste seiner Reproduktion und Produktion konstruiert: Seine Agenda für abzuarbeitende Zwecke und Unterzwecke soll diejenige der fakultativ, im Bedarfsfall abzuarbeitenden Versuche, zur Feinanpassung des Vorgehens im Einzelfall und bei leichten Störungen des Gesamtablaufs, mitenthalten: als Probieren, wie „es“, das im Rahmen des Wirk-Plans festgelegte Ziel- und Zweck-Repertoire, in solchen Detail-Umständen durchgeführt wird, ohne verändert zu werden.

8.
Der Normalplaner verhält sich, bis auf weiteres, so, als wäre ihm alles für seine Planung wesentlich zu Wissende bereits bekannt; und dies Verhalten braucht nicht abgeändert zu werden, wenn sich etwas ereignet, das dies Wissen im nachhinein als unvollständig erweist; denn dieses, bisheriges Wissen Blamierende kann ja nur darin bestehen, dass die im Rückblick als solche aufgedeckte Wissenslücke durch ein unerwartet neu hinzukommendes Wissensfragment geschlossen wird - also in genau dem Moment nur bemerkbar wird, da dem Mangel schon wieder abgeholfen ist: „Aber AB JETZT ist es vollständig!“ - Bis auf weiteres. So hätte es der Normalplaner gern; so passt es ihm ins Konzept; so erwartet er es: Dass er immer wieder und wieder sagen darf: Aber ab jetzt...; ...nein, damals noch nicht, aber ab JETZT...! usw.
In Falsifikationen und Korrekturen dieser Art, nämlich Erwartungen und ihrer Ersetzung durch immer wieder andere, „bis auf weiteres offenbar richtige“, besteht freilich die Widerlegung der Hypothese(n) nicht, die er auf diese Weise implizit seinem Gesamt-Handeln zugrundelegt, das, ob er es wahrhaben will oder nicht, eben doch ein Versuch ist (nämlich, so zu tun, als hätte man alles Wissen, ohne es zu haben). Sondern alle tatsächlichen Figuren seines Scheiterns und der Widerlegung seiner (Optimal)Hypothese haben die Form: Etwas kommt nicht so wie erwartet; aber anders als sonst, liefert nichts in dieser Erfahrung eines Unerwarteten zugleich den Anhaltspunkt, wie die nächste Erwartung auszusehen hat; die Lücke bricht auf, und er weiss nicht, Versuche welcher Art, in welcher Reihenfolge, wie lang, anzustellen sind, um sie zuschliessen.

 

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(Regresse...)


9.
Mit alldem haben wir den Horizont bisheriger Resultate und Global-Formeln zur Umschreibung der Normalplanungs-Praxis und ihres Fehlers nicht wesentlich überschritten. Die Einschübe über Lernen und Probieren (Kap. 3), und die immer wieder ausgeführte Einsicht (Kap. 6), dass die Wirkpraxis allenfalls Teil der Wissenserwerbs- oder Versuchspraxis sein kann, und nicht umgekehrt: Sie führen darauf, dass der Normalplaner durch seinen Versuch, das Lernen dem Wirken ein- und unterzuordnen, die tatsächlichen Verhältnisse auf den Kopf stellen muss. Und genau diesen Eindruck erweckten doch die in Kap. 7 aufgedeckten Paradoxien: den nämlich von einer Umkehrung und falschen Reihenfolge dieser grundlegenden Modalitäten: Lernen, Wirken. Die wirkliche Pointe dieser Absurditätsbeweise aber haben wir im letzten Abs. von Kap.7 nur sehr diskret zum Ausdruck gebracht. Deutlicher als dort wäre zu formulieren: Der Normalplaner unterstellt in seiner Optimalhypothese, dass die Welt seine Erwartungen, und darauf beruhende Wirk- (oder auch schon mal: Versuchs-, Lern-) Zwecke (diejenigen seiner Ausgangspraxis, oder spätestens diejenigen seiner Lernpraxis im Übergang zu einer verbesserten Ausgangspraxis, auf dem Weg hin zu einer Optimalpraxis) erfüllt; will aber obendrein, dass sie ihm sagt und ermöglicht zu lernen, welche Erwartungen er haben soll, wenn die ursprünglichen Zwecke nicht zu den Spielräumen (Dispositionen, Randbedingungen) in der Welt passen; oder nur so, dass sie suboptimale Resultate liefern.
Er bemerkt vielleicht noch gerade eben, dass dies zwei sich ausschliessende Anforderungen an die Welt sind (vgl. den letzten Satz von Kap.7: „beide Optimalhypothesen können schlechterdings nicht gleichzeitig in ein und derselben Welt erfüllt sein.“) - Dann soll die Welt, oder Erfahrung, ihm eben zeigen oder ermöglichen zu lernen, welche der beiden Positionen ihr gegenüber, mit entsprechenden Anforderungen, er wann einnehmen soll. Dies Lernen zweiten Grades will freilich, in seinem Verhältnis zur Wirk-Praxis, hinsichtlich seiner Wirkaufwände nicht weniger abgeschätzt und auf „sinnvolle“ Anlässe, wo dies zu lernen wäre, eingegrenzt werden, als dasjenige ersten Grades. Da alles andre von ihm abhängt, käme es gerade auf dies Lernen, mehr als alles andre, an; aber es unterliegt denselben Ungewissheiten, wie bereits das erste, und müsste daher nicht weniger durch noch höhergradiges Lernen überboten, oder hintergangen werden, als das erste.

10.
Er will immer nur dann lernen, wenn es sich lohnt; wann es sich lohnt, und was Lohnen überhaupt heisst, erschliesst er aus seinen Erwartungen, bis hinauf zu den höchsten (und daraus abgeleiteten Zwecken); aber welche Erwartungen er hat, hängt (faktisch; so, wie er sich verhält) davon ab, was er weiss und gelernt hat; also von seinen früheren Erwartungen; also von seinen früheren (mangelhaften) Wissensständen: Sein Wissenserwerb ist schicksalshaft den Beschränkungen seiner Ausgangserfahrung ausgeliefert. Freilich nur durch die Art, wie er sich dazu verhielt: Stand es ihm denn nicht frei, Neues zu probieren, die Bornierungen hinter sich zu lassen? Konnte er sich denn nicht jederzeit zu einer Ausweitung dieses Wissenserwerbs, zum Suchen und Versuchen ohne Anlass, entschliessen? Natürlich konnte er; aber dann hätte er unter Umständen mancherlei versäumt, was im Rahmen seiner Ausgangspraxis und deren Erwartungen sich als sinnvollerweise zu tun anbot; wohingegen all das anlass- und bodenlose Herumsuchen vielleicht einfach zu nichts führte - vor allem zu nichts Verwertbarem, sinnvoll in die existierende Praxis Integrierbarem. Also kehrt er reuevoll zu den Bornierungen zurück; die immer noch weitergehende Chancen bieten, als nutzloses Herumexperimentieren. Und es mag sein, dass er aus mehrmaligem Hin- und Herwechseln dieser Art am Ende auch noch Arten von Umständen (als Regel) empirisch herausdestilliert, wann und wo man suchen oder versuchen soll, und wann damit aufzuhören ist (und da auch er sein Tun fakultativ als existenzielles Versuchen auffassen kann, so gut wie wir, und mit der allgegenwärtigen Ungewissheit rechnen kann: so kann er dies Aufhören auch noch weiter ausdehnen in den Normalbereich seiner Praxis, und sich Routine-Handlungen versagen, wenn sie, nach seinen Erfahrungen, besonders versagensanfällig sind. Und welche Routine versagt nicht irgendwann einmal? Ist es nicht sinnvoll, auf solche Momente eingestellt zu sein?)

11.
Ein infiniter Regress (um einen solchen handelt es sich hier) zeigt an, dass etwas begründet wird mit Gründen einer Art, die normalerweise ihrerseits durch etwas von der Art begründet werden, wie das, was sie hier begründen sollen. Das korrekte Verhältnis der beiden Arten von Gründen wird also nicht eingehalten.
Der Normalplaner hat einen Wissens- und Verfahrensvorrat (und daran anknüpfende Erwartungen); zu diesem Vorrat muss er sich stellen, Entscheidungen treffen, wie er damit umgehen will. Einer der Gegenstände dieses Entscheidens ist die Ausweitung dieses Vorrates selbst; die aber wird von dem Normalplaner so behandelt, als wäre sie eine weitere Anwendung des Wissensvorrats zur Konstruktion von Plänen (Zielen, Zwischenzielen= Zwecken); derselbe Wissensvorrat wird dann ein Mittel, um seine eigene Ausweitung zu steuern: Darum, weil nach Auffassung des Normalplaners alle zweckmässige Tätigkeit irgendwie in Abhängigkeit von Erfahrung, also dem Wissensvorrat, über den er verfügt, zu gestalten ist, gilt dies auch für die Wissens-Ausweitung selbst. Das wäre korrekt, wenn der Normalplaner nicht zugleich den Anspruch hätte, auf diese Weise die aus dem Stand heraus optimale Weise der Wissensausweitung, bei gegebnem Wissensstand, zu finden - eine, die er auch im nachhin, und das heisst doch: wenn er mehr weiss, nicht zu bereuen braucht. - Man bemerkt, wie sich ihm hier unwillkürlich die Elementarbegriffe des experimentellen Denkens ergeben: zu findendes, zu erprobendes, also hypothetisches Optimum - zugleich eines, das man nicht bereut, auch wenn es falsifiziert wird: Darum weil es in jedem Falle richtig war, dieses, als erstes, bei dem gegebnen Wissensstand (wo die Falsifizierung noch nicht feststand) zu versuchen. DAS kann dann auch im nachhinein sich nicht mehr als falsch erweisen.

12.
Von solchem Denken, solchen Prinzipien und solchen schönen, weil durch keine Entwicklung nachträglich zu erschütternden Gewissheiten ist der Normalplaner durch seinen Begriff von optimalem Wissenserwerb weit entfernt. - Sein bereits vorhandenes Wissen muss natürlich berücksichtigt werden, wenn es um die Frage geht: Wie man es ausweitet, was als nächstes erforscht und versucht werden soll usw.; auch im experimentellen, (optimal)hypothetischen Vorgehen wird so gefragt. Aber dort kommt dann ein Element hinzu, das eben nicht mehr von dem abhängen kann, was man schon weiss, oder auch nicht weiss: Wenn ich nicht weiss, ob meine Hypothese falsifiziert wird, oder mein Versuch ins Leere laufen wird, kann kein Prinzip der Welt und kein Wissensvorrat, in dem solches Wissen noch nicht enthalten (oder aus dem es nicht zu erschliessen) ist, mir das Experiment ersparen. Angesichts meiner überwältigenden Unwissenheit in alle Richtungen und der unendlichen Vielfalt möglicher Fehlschläge und Falsifikationen, nämlich Versuche und Hypothesen, kann daher sinnvoll nur gefragt werden: Was von dem, was noch nicht sicher als falsifiziert feststeht (da kommt unser bestehendes Falsifikationswissen herein) wäre denn allenfalls eher als andres zu versuchen - so, dass es auch hernach nicht falsch gewesen sein kann, selbst im Falle der Falsifikation, es von allem als erstes versucht zu haben? - Der Normalplaner hingegen will aus dem „Fehlschlag“ der Falsifikation, den er für nichts weniger hält als für nützlich und nützlichen Wissens-Fortschritt (als solcher gilt ihm nur das positiv Verwertbare), wenigstens für künftige Fälle lernen: Er will das Prinzip der Auswertung von Erfahrung zur Konstruktion von Wissenserwerbs-, speziell Versuchsplänen, entlang von Erfahrungen mit suboptimalen Versionen dieses Prinzips, optimieren; worin auch enthalten ist: dass es (für gegebne Wissensstände) durchaus unterschiedliche Versionen, „bessere“ und „schlechtere“ solcher Prinzipien der Versuchskonstruktion geben kann. (WIR könnten ihm nur sagen, dass die apriori zu denkende Optimalhypothese, oder Rangfolge nacheinander bis zur Falsifikation zu erprobender Optimalhypothesen, selbst das eine und einzige, und von Erfahrung unabhängige Prinzip von der Art derer ist, unter denen ER das zu seiner Welt, so wie er sie immer besser kennenlernt, optimal passende finden zu können glaubt.)
Nach dem Gesagten aber ist ist dies zu verbessernde Prinzip der Auswertung von Erfahrung-mit-seiner-Praxis kein andres als die Summe der diese Praxis im wesentlichen charakterisierenden Regeln selbst. Jenseits davon hat er keine Lernregel - kein Prinzip. Die Praxis, die Lernregel und Prinzip ist, steuert, entlang von Erfahrungen mit ihren Erwartungswerten und Paradigmen, ihre eigene Verbesserung; und nur insofern, als sie SICH und ihre Verbesserung steuert, „verbessert“ sich mit und in ihr die Lernregel; denn sie IST die Lernregel (vgl. die Formel Ende Abs.7).

13.
Der regress-verursachende Kategorienfehler wäre also: dass der Normalplaner das Prinzip des Wissenserwerbs (bei gegebnem Erfahrungsstand), nämlich die Praxis, nochmals zum Gegenstand eines eignen, diesen optimierenden Wissenserwerbs macht, dazu ein nächsthöheres Prinzip derselben Sorte bräuchte, das aber genauso wenig feststeht, und weiter überboten werden könnte; in Wahrheit hätte bereits das erste Prinzip feststehen müssen, und nichtmehr als durch Erfahrung veränderlich (oder als in jeder Hinsicht aus Erfahrung herrührend, und genau darum durch vermehrte, verbesserte Erfahrung „verbesserbar“) aufgefasst werden dürfen.
Genau genommen, ist die enge Assoziation dieses Fehlers mit Wissen im Sinne von: Wissen-wie, angesiedelt auf der technischen Ebene des Entscheidens und ihren Erwartungen. Gehen wir eine Stufe höher, auf die Bereichsebene, treffen wir denselben Fehler in veränderter Gestalt an, nämlich dieser:
Der Stand, den die Bewältigbarkeit der Reproduktion eines gegebnen reproduktiven Apparats in einer gegebnen Umgebung erreicht hat (das „Reproduktionsniveau“, im weiteren Sinn), ist einerseits abhängig von dieser Umgebung, andererseits aber auch von dem, was wir zu diesem Apparat als unbedingt reproduktions-würdig, weil benötigt, zählen. Das zu reproduzierende ist zugleich wichtigster Lieferant der Mittel-FÜR „seine“ Reproduktion; was aber „es“ ist, das da reproduziert werden soll, hängt auch davon ab, ob, was „es“ liefert, zugleich das ist, was „es“ braucht, um wieder zu liefern. „Es“ soll „sich“ reproduzieren, in „seiner“ Umgebung. Zwar gibt es unverzichtbare Bestandteile dieses „es“ - jene, die wir das, oder unser „Selbst“ genannt haben, ohne die Reproduktion sinnlos würde - aber unter all den auf den ersten Blick in gegebnen Umgebungen reproduktions-fähigen „es“, die dies Selbst in jedem Fall mitreproduzieren, lassen sich grosse Unterschiede bemerken - Unterschiede, die indifferent sein, aber auch, auf lange Sicht, vielleicht wichtig werden könnten. „Es“ könnte sogar in eine ganz andre Umgebung verlagert werden, mit gänzlich anderen Randbedingungen, worin gänzlich andere Verfahren zum Einsatz kommen könnten. Ein „es“, also reproduktiver Apparat, der „sich“ in einer insgesamt stabilen Umgebung stabil erhält, wird dann so bald keine Fragen aufwerfen; aber wie, wenn wir „es“ neu entwerfen müssen - wenn „es“ so oder auch anders sein könnte, und dann jeweils ganz unterschiedliche Anforderungen erfüllt sein müssen, damit „es sich“ in dieser Umgebung (die nicht in jeder Hinsicht bekannt oder stabil ist) reproduziert? Hinterher weiss man vielleicht, dass ein andres „es“, FÜR das andres nützlich und schädlich gewesen wäre, das also andre Ansprüche gestellt und erfüllt hätte (nämlich mehr; oder auch weniger („weniger wäre mehr gewesen“)), zur Umgebung besser gepasst hätte.

14.
Und dies spezielle Problem des Erhalts eines zu seiner Reproduktion ausgerüsteten Selbst in einer mehr oder weniger stabilen Umgebung wird noch weiter kompliziert, wenn wir Fortschritt, also Produktivitätserhöhung und weitergehende Sicherung mit einbeziehen: DIES (ein hoffentlich in DIESER Umgebung stabil reproduktionsfähiges „es“) hat ursprünglich weitergehende Chancen, aber dann stellt sich heraus, dass sie sich nicht realisieren lassen in dieser Umgebung; JENES weniger weit reichende hingegen lässt sich umsetzen, weiter als das andre mit seinen vermeintlich weiter reichenden Optionen in der realen Umgebung je kommt: um DIES, mit seinen weitgehenden Fortschrittsoptionen, überhaupt angehen zu können, musste man von vorneherein nämlich viel mehr reproduzieren und opferreich aufbauen und vorbereiten; all dieser Aufbau und diese Vorbereitungen waren zugleich viel gefährdeter. Wir wollten dies alles aber garnicht als Selbstzweck; nur als Mittel für die weitreichenden Ziele; als die sich (wegen mangelnder Robustheit der Mittel) als unerreichbar erwiesen, brauchten wir auch die Mittel nicht mehr; aber da hatten wir sie bereits hergestellt, und standen schlechter da als zuvor. Mit anderen Worten: Wir haben an einem Entscheidungsknoten von der Art der in Kap.1 besprochenen die falsche Richtung eingeschlagen.
Also immer wieder: Wir sollen etwas „hypothetisch“ festlegen, dann mit dem so Festgelegten arbeiten, und stellen im Verlauf fest, dass wir, angesichts unserer Erfahrung mit dieser Arbeit, besser anders angefangen hätten. Und das ist um so schmerzlicher, je mehr wir vielleicht zu Beginn, vor der Festlegung, versuchten, das „richtige“ zu treffen und irgendwie abzuschätzen. Ohne dass wir uns auf eine der Festlegungen einliessen, konnten wir freilich auch kein Wissen erwerben. Wenn wir Zeit haben, und zweite, dritte usw. Chancen bekommen, ist dies alles erträglich; nicht hingegen da, wo Versäumnisse sich als dauerhafte, womöglich endgültige Einbussen ursprünglich vorhandener Handlungsspielräume bemerkbar machen.

 

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(Zwei Richtungen des Wissenserwerbs...)

15.
Dabei setzt der Normalplaner zweimal zum Versuchen an: das eine sind die Versuche innerhalb seines Plans, konstruiert nach Prinzipien, wie wir sie im Zusammenhang mit der Lernstrategie in Kap. 4 und in 5/8 beschrieben haben: Anlass sind so wie geschehen unerwartete Beschädigungen oder Chancen, daraus ergeben sich zu lösende produktive Probleme (es ist ein mehr oder weniger eng umschriebenes Wissen-wie, das hier sinnvollerweise erarbeitet werden muss; die mithilfe von beobachtungsbasierten „Dunstkreis“- Kausalhypothesen und/oder probeweisen klassifikatorischen Ähnlichkeits-Beurteilungen erstellten Experimental-Entwürfe  werden mit einem Gesamt-Budget angegangen, das im Rahmen einer Dringlichkeitsvorgabe geschätzt wird; die Reihenfolge, in der die Entwürfe abgearbeitet werden, wird mithilfe von Kategorien der Bereichs-Ebene (die dort ebenfalls zur Entscheidung über die Aufteilung von Gesamtbudgets auf Teil-Beiträge oder -Bereiche herangezogen werden) festgelegt; die Versuche werden abgebrochen, wenn das Budget erschöpft ist, es sei denn, es habe sich während einer der Versuchs-Durchführungen eine im Sinne der Budget-Dringlichkeits-Bestimmung „lohnende“ Chance ergeben usw.)
Das andre sind die Versuche, die relevanten Entscheidungsparameter im Verhältnis zum umgebenden Unbekannten (vgl. die Zitate vor Kap.6) entlang von damit gemachten Erfahrungen „richtig“ zu bestimmen (nämlich „probierend“, mit der Hoffnung auf Konvergenz, spätestens in Abhängigkeit von wenigen eingrenzbaren Bedingungen); dazu zählen auch die Verbesserungen der Ausgangspraxis, und die planmässigen Wissenserwerbe aus gegebenen (und als solchen eventuell gelernten) Anlässen; letztere zur Vervollständigung jenes Wissens, mit dem er hernach auch seine plan-immanenten Versuche bestreiten will (letztere stellen die einzige gezielte Wissenserwerbs-Praxis dar, die er als solche deklariert - eine, die abhängig ist davon, dass man „jetzt“ (angesichts dieses Anlasses) günstigerweise suchen und versuchen sollte; Wissen, das auf diese Weise erworben wird, ebenso wie jene Erfahrung, die Anlässe für lohnende Wissenserwerbe, also „Regularitäten“ erkennt, können als Spezialform der Verbesserung der Ausgangspraxis und ihrer Entscheidungsparameter aufgefasst werden).

16.
Setzen wir diese zwei Versuchs- und Wissenserwerbsarten in Beziehung zu den drei Ebenen oder Erwartungssorten, mit denen der Normalplaner arbeitet; dann gilt: „Eingeschlossenes“ Versuchen, mit Entscheidungs-Vorgaben, findet auf den beiden unteren Ebenen (Bereich, technisch) statt, „probierendes Bestimmen der Entscheidungs-Parameter“ (und damit der Vorgaben für das „eingeschlossene“ Versuchen) auf den beiden oberen (Bereich, Rahmen).
Daraus folgt, trivialerweise:
a) Die Parameter der Bereichs-Ebene können nach beiden Prinzipien-Arten experimentell bestimmt werden.
b) Versuche auf der untersten, technischen Ebene sind völlig von Vorgaben von „oben“ abhängig.
c) Resultate der beiden unteren Ebenen können in Widerspruch treten zu solchen der beiden oberen - mit paradoxen Folgen von der Art, wie sie in Kap.7 und in den Absätzen 9-14 oben über Regresse besprochen wurden.
Aber wie genau ist die Regress-Figur mit diesen Wissenserwerbs-Arten zu rekonstruieren?
„Eingeschlossenes“ Versuchen ist das eigentliche, das, was an der Normalplaner-Praxis noch am ehesten rationellem Experimentieren ähnelt; ausserdem hat es mutmasslich halbwegs wirk-bezogene Themen (auch, wenn die Dunstkreis- und Analogie-Prinzipien zur Konstruktion der diesen Experimenten zugrundegelegten Kausal-Hypothesen kategoriales Chaos aufweisen, vgl. 7/43). Ihm vorgeordnet, und es begrenzend, ist aber das Herumprobieren mit den Vorgaben für es, die je eine Ebene höher liegen. Indem Neben-Resultate des „eingeschlossenen“ Experimentierens zurückwirken auf die Vorgaben - als „neue“ Erfahrungen, die andere Chancen-, Risiko- und Wissenserwerbsanlass-Profile als die ursprünglichen nahelegen - , wirken sie indirekt auf sich selbst zurück; spätere, oder auch zu späte Wissenserwerbe, die aufdecken, dass frühere „Vorgaben“ sich als Hindernisse für rechtzeitigen Wissenserwerb auf den von ihnen gesteuerten Ebenen auswirkten, werfen die Frage nach den Gründen für das Zustandekommen gerade dieser Vorgaben auf. Tatsächlich sind sie garnicht irgendwie „zustandegekommen“, sondern schlicht als  Parameter der  Ausgangspraxis vorgegeben gewesen, ohne dass die Erfahrungsgeschichte dahinter (vgl. 4/1) je explizit berichtet worden wäre (was auch unmöglich ist).

17.
Was GENAU geben wir eigentlich vor? - Zunächst und vor allem: Ein um - hoffentlich in der dazu gehörenden (gewählten, oder einfach vorhandenen) Umgebung mit ihren bekannten Regularitäten reproduzierbare - Mittel SEINER Reproduktion erweitertes „Selbst“ (das eigentliche Selbst ist ein absolut unverfügbares, und steht ausser Zweifel; nicht hingegen seine Erweiterung - sie ist die eigentliche Vorgabe). Diese Mittel der Selbst-Erhaltung sollen nun in dieser Umgebung nicht nur „SICH“ reproduzieren, sondern auch noch produktiv erweitert werden bis zu einem, die Optionen der (gewählten oder vorhandenen) Umgebung mit den Ausgangsmitteln vollkommen ausschöpfenden Optimum - über hinsichtlich ihres Risikos durchgängig tolerierbare Zwischenschritte. Die Ausgangs-Basis ist also doppelt problematisch: einmal als gefährdetes Mittel zur Bewältigung der regulär zu erwartenden Gefährdungen ihrer selbst, und des zu erhaltenden Selbst, in der gewählten oder vorhandenen Umgebung; zum andern als Mittel zur Erzeugung dauerhaft reproduktiverer Versionen ihrer selbst. In beiden Fällen hängt, was „relevantes Risiko“ oder „relevante Chance“ ist, ab von der gewählten Basis: wie und was sie ist, bestimmt, durch welche bekannten Regularitäten „sie“ gefährdet ist - was „schädlich“ ist; aber auch, auf welche FÜR „ihre“ Art der Reproduktion (des Selbst; aber eben auch des Mittelapparats, zusätzlich zu diesem Selbst, den „sie“ darstellt) „nützliche“ Regularitäten sie in dieser Umgebung zurückgreifen (und durch welche für diese „schädlichen“ sie indirekt bedroht werden) kann. Bestimme ich die Basis anders, ist anderes daFÜR nützlich (oder schädlich). Und so a fortiori FÜR Reproduktions-Basen, die nicht nur sich als solche erhalten, sondern sogar noch Fortschrittsoptionen ausnutzen sollen. - Vorgegeben, durch die bekannten Regularitäten (im wesentlichen wohl identisch mit den nützlichen und schädlichen; warum sollten wir uns als Normalplaner mit den andern abgeben, sie uns merken?), sind dann auch die möglichen Wissens(erwerbs)-Klassen, und eventuell aus unbekannten Erfahrungen mit ihnen stammende „Anlässe“, wann es sich lohnt, einen Wissenserwerb zu starten, also ein Suchen, Versuchen, um das dem „Anlass“ (dh. Beobachtung, die der Erforschung und/oder experimentellen Austestung wert erscheint)  angemessenene Exemplar von Wissensinhalt zu „erzeugen“.
Bei all dem kann ich andere Regularitäten und Wissens(erwerbs)klassen, auch neue Wissenserwerbs-Anlass-Sorten entdecken, die die aufgrund der ursprünglichen Vorgaben gestarteten Forschungen nachträglich nachteilig (ressourcenvergeudend) erscheinen lassen; oder Reproduktions-Formen, angesichts deren sich das ursprüngliche erweiterte “Selbst“, spätestens im Verbund mit solch neu entdeckten Umgebungs-Regularitäten (die zur Quelle der Erkenntnisse über neue Wissensorten wurden) unnötig gefährdet ausnimmt; schliesslich, auf derselben Grundlage, Fortschrittspfade (Optimum, Regeln der Überschuss-Bildung unterwegs, Einschaltung planmässiger sinnvoller“ Wissenserwerbe: Forschungen, Hypothesen), angesichts deren die bisher gewählte Fortschrittsbasis (unter den überhaupt maximal dauerhaften und robusten Reproduktions-Formen) sich als suboptimal erweist.
Diese Vorgaben „von oben“ werden durch ihre Umsetzung als „falsch“ erwiesen - man könnte daher sagen: falsifiziert; aber diese Vorgaben wollen ja nichts weniger sein als „blosse“ Hypothesen.


18.
Der Charakter, (unfreiwilliger) Wissenserwerb gewesen zu sein, stellt sich für einen zu Praxis-Verbesserungen führenden Praxis-Teil erst im nachhinein heraus. Das Dumme ist: Er kann diesen Titel, angesichts NOCH späterer, und die Neu-Erfahrung wiederum desavouierender Erlebnisse mit ihren praktischen Konsequnzen, auch wieder aberkannt; noch später dann doch wieder zuerkannt usw usf. bekommen. Endgültig gelernt, gewusst, verlässlich (oder andernfalls nicht mehr zu verstehen) ist in dieser Lern-Praxis nie etwas; sie ist, hinsichtlich der Frage, was zu wissen ist, und vor allem, wann es gewusst (oder auch: endgültig falsifiziert) ist, VÖLLIG PRINZIPIENLOS; sie weiss auf solche Fragen keine Antwort (hat keine Kriterien).
Die Tatsache, dass das Gesamtwissen des Normalplaners irgendwie wächst, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wissenszuwächse immer wieder wichtige Anteile bisherigen Wissens entwerten, und in die Grauzone des Indifferenten, Irrelevanten, nicht (mehr) WissensWÜRDIGEN zurücksinken lassen. Das rührt daher, dass Einzelerlebnisse ausreichen, um weit reichende Neu-Definitionen dessen zu veranlassen, was in der Tat in der ureigenen Verfügung des Normalplaners liegt - Neu-Bestimmungen dessen nämlich, WORIN das reproduktionsfähige Ausgangs-Niveau bestehen, und was aus ihm über welche Zwischenschritte zu machen sein könnte. Dies nämlich ist das Material, FÜR das allenfalls Nützlichkeit, Schädlichkeit gewisser stabiler oder auch instabiler Randbedingungen und Dispositionen bestimmt werden können (Bedingungen, die allein durch diesen Bezug eben als wissenswert, relevant gelten dürfen); und das Material, FÜR das gewisse reguläre Komplexe und ihre Abwandlungen, seien es Abwandlungen, seien es Neu-Zusammensetzungen ihrer Elemente, zu kennen oder zu ermitteln lohnend sein könnte. - Prinzipienlos ist vor allem die Bestimmung des für ihn, also das jetzt oder später dem Plan zugrundegelegte erweiterte Selbst, NÜTZLICH ZU WISSENDEN durch den Normalplaner; und das vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass er auf keinen Fall Überflüssiges wissen will.

19.
Denn - und das ist es doch, worauf alle drei ihm in Kap.7 unterstellten „Hypothesen“ hinauslaufen - sein gesamtes Verhalten scheint immerzu EINEN Gedanken auszudrücken, nämlich: Ich weiss genug - genug, um zu planen, für Reproduktion und Produktion; kommt wirklich einmal noch relevantes Neues hinzu, dann weiss ich es nur NOCH BESSER. Denn:
a) Ich weiss genug - auch wenn ich nicht alles im Detail weiss, so weiss ich es doch IM PRINZIP; das Detail ermittle ich immer noch rechtzeitig, und auch nur, wenn ich es wirklich brauche (aus gegebenem Anlass). Das ist der Gedanke mit den gewussten Paradigmen, die die KLASSEN DES WISSENSWERTEN mutmasslich erschöpfen.
b) Ich weiss genug - selbst wenn ich nicht alles Reguläre in meiner Umgebung, und alle Umgebungen kenne, kenne ich immerhin alle FÜR meine Art Planung benötigten Regularitäten (die daFÜR relevanten); die Tatsache, dass ich mich reproduziere, und einen Fortschrittspfad weiss (wenn sich denn überhaupt nur einer in meiner Umgebung öffnet), beweist es.
c) Ich weiss genug - denn sollte sich in meinen Plänen je etwas als ungenügend vorhergesehen erweisen, werde ich das nie auf mein Wissen schieben, sondern auf meine Art zu planen, oder meine Art, mein vorhandenes oder leicht zugängliches Erfahrungs-Wissen (nach a)) geschickt auszuwerten. Diese Art zu planen (angesichts bestehender Erfahrungen mit solchen Arten zu planen) besteht wesentlich darin, für meine wichtigsten Plan-Aufgaben (Reproduktion, Produktion, lohnender Wissenserwerb bei gegebnen Anlässen) die richtigen MASSE zu finden - Masse der Bestimmung der Grösse des Gesamtbudgets, und seiner Aufteilung auf die (längst feststehenden) Teilbereiche meiner Reproduktion und Produktion.
Alles, was sich als Misserfolg, und von daher womöglich als Ausdruck von Unwissen erweisen könnte, werde ich daher erst einmal interpretieren als unerwartetes Überschreiten der zugehörigen Plan-Massgrösse. Sie und nur sie werde ich, wenn überhaupt etwas, ändern, entweder generell, oder in Abhängigkeit von Bedingungen. Denn in dieser Grösse drückt sich das für mich wichtigst zu Wissende überhaupt aus: ERFOLG; auf wieviel davon ich mich einrichten kann, auf wie wenig ich mich einrichten muss; und wie wenig oder viel Aufwand ich daFÜR zuvor (im Rahmen der jeweiligen Formen meiner Praxis, deren immer bessere Feinanpassung an die Umgebung, im Rahmen meiner Budget-Aufteilungen, ich bei gegebenen Anlässen vornehme) getrieben haben muss.

20.
Erfolg und Misserfolg ERKLÄRE ich mir als Normalplaner nämlich ausschliesslich (vgl. c!) spätestens aus der Art meiner Planung, dh. Budgetaufteilung. Die bekannten Formen, in denen ich die so zustandekommenden Teil-Budgets verausgabe, lassen IMMER ein Mehr oder Weniger zu; sollte sich irgendwo ein Mangel an solchen Formen (Verfahren) einstellen, kann ich schnell, im Rahmen meiner Gesamtplanung, für Ersatz sorgen. Denn das Suchen und Versuchen lässt sich, im Rahmen, wie ich es betreibe, vollständig PLANEN; wie all meine sonstigen Tätigkeiten. Dass solch geplantes Suchen und Versuchen mit Unsicherheit behaftet sein soll, erstaunt mich garnicht; denn ich übersetze „Unsicherheit“ in meiner Denkweise mit: möglicherweise mit dem vorgesehenen Budget nicht wie erwartet zu bewältigen; darauf habe ich immer Antworten parat, passend zum Grad der sich (im nachhinein) zeigenden Unsicherheit, passend zu Bedingungen des Gelingens und Misslingens, die sich bei dieser Art Tätigkeit auf Dauer zeigen, wie bei anderen auch.
Denn das Suchen und Versuchen unterscheidet sich darin nicht im geringsten von meinen anderen Tätigkeiten, und lässt sich problemlos in ihrem Rahmen mitbehandeln. Zumal sie vom selben Ressourcen-Budget bestritten werden, wie alles andere; und deshalb unter denselben Erwartungswerten stehen, wie alles andere...
Anders herum gesagt: Erfolg und Misserfolg werde ich mir nie als vollständig erklärbar durch von mir gekannte, unter Umständen auch nicht hinreichend gekannte und darum kennenzulernende Stabilität oder Instabilität, und mehr oder weniger „Regularität“ in DIESEM Sinn, von Bestandteilen meiner Umgebung im Zusammenwirken mit meinem Handeln denken; und ebensowenig durch Art und Zusammensetzung dieser Bestandteile aus elementareren Komplexen (und Regularitäten in DIESEM Sinn; durch die auch noch die Regularität im ersten Sinn miterklärt wird), die ich vielleicht nicht gut genug kenne, und kennenlernen sollte. Beide Erklärungsarten verweigere ich darum, weil eben dies Handeln ein an beliebige Umgebungsumstände beliebig gut (soweit überhaupt) anpassbarer Parameter ist; wobei die Kontrollgrössen, an denen entlang ich diesen Anpassungsprozess überprüfe und gestalte, eben die Mess-Grössen meiner Budgetaufteilung sind, nämlich die Messgrössen für pro Budget- oder Ressourceneinheit zu erwartenden Erfolg oder Misserfolgsreduzierung (aus denen ich, wenn sie zu „ungünstig“, dh. misserfolgsträchtig, werden, schliesse, dass ich zu anderen, erwartbar erfolgsträchtigeren Verteilungen übergehen muss).

21.
Innerweltlich und Inhalt von Kenntnissen sind einzig die mehr oder weniger stabilen (=regulär 1), mehr oder weniger zusammengesetzten (=regulär 2) Zustände, Verläufe, Strukturen, Materialien usw., und die Dispositionen, die an ihnen jeweils auftreten. Nützlich sind diese Kenntnisse einzig in ihrer Beziehung zu unserer Vorgabe, in Gestalt der Definition unseres gegenwärtigen erweiterten Selbst, das sich an den zeitlich und räumlich kategorisch feststehenden Entitäten entlangarbeitend und dabei am rechten Ort, zur rechten Zeit, handelnd und die passenden Dispositionen nutzend, sich zyklisch reproduziert (dadurch überhaupt definiert, was schädlich, nützlich heissen soll), und sich mithilfe der dabei anfallenden Überschüsse auf einem die Möglichkeiten dieser Umgebung maximal ausschöpfenden Fortschrittspfad auf ein Optimum an reproduktiver Sicherheit zubewegt; innerhalb dessen, was wir uns an Tatsachen in diesem Zusammenhang merken wollen, können wir dann, als weitere Vorgabe, Ähnlichkeitsklassen bilden, derart dass wir „Anlässe“ für detaillierenden Wissenserwerb, entweder in Gestalt von eingegrenzten, überraschenden Misserfolgen oder Erfolgen, oder in Gestalt von empirisch ermittelten „Gesetzen, wann Suchen und Versuchen in dieunddie Richtung lohnend sein könnte“ definieren, bei denen wir, mit denselben Grundsätzen, nach denen wir unsere Reproduktion und Produktion planen, Reihen von Experimenten starten, deren Versuchsanordnung vollständig bestimmt ist durch den anlass-begründeten Zweck, die Ähnlichkeit mit passenden und bereits existierenden Vorgehensweisen, sowie Grundsätzen der „lohnenden“ Reihenfolge (5/7, Zweitens+Drittens) und Bestimmung des Gesamt-Budgets (aufgrund von Risiko- und Dringlichkeitsvorgaben aus dem Gesamtplan), das bis zum Abbruch verbraucht werden darf.
Diese grundlegende Zweiteilung des Materials, aus dem sich die Praxis des Normalplaners ergibt, in „hypothetische“ Erweiterte-Selbst-Bestimmung einerseits, und „FÜR es“ (d.i. dieses Erweiterte Selbst) nutzbare, mehr oder wneiger gut bestätigte Kenntnisse andererseits, fällt ihm  nur darum nicht auf, weil er aus Prinzip Wissens-Inhalte nicht beachtet und erinnert, die keinen Bezug zu seiner aktuellen Vorgabe haben, also nicht tatsächlich oder möglicherweise im Rahmen dieser Vorgabe Verwendung finden könnten. Alles Wissen, das er hat, scheint daher im Verhältnis 1:1 zu Zwecken zu passen, und die Art seiner Verwertbarkeit in sich zu tragen: Es ist nützlich zu Wissendes FÜR..., Wissen-wie...: Wissen von Nützlichem-FÜR und an denundden Stellen technisch Eingesetztem-FÜR, von Schädlichem-FÜR, das durch diesunddies abgewehrt werden kann, von Arten solchen nützlich zu Wissendem-FÜR, die fungieren wie die Fächer eines Werkzeugkastens, in denen man unter mehreren dort liegenden (mehr oder weniger ähnlichen) nach dem passendsten Instrument für den vorliegenden „Anlass“ seines Einsatzes sucht.

22.
Im „Welt“-Bild (aber das ist es ja gerade nicht!) des Normalplaners ist Wissen, nämlich Wissen-wie, nie abgetrennt von Zwecken (Handlungen im Rahmen des Gesamtplans, Erwartungen von Folgen für den weiteren Verlauf dieses Plans); aber auch das umgekehrte gilt: Zwecke und Pläne lassen sich kaum einmal frei aus bekannten Kausalzusammenhängen neu konstruieren; nur vorübergehend aufreissende Löcher in einer vorbestehenden, fertigen reproduktiven oder produktiven Planstruktur werden geschlossen - unter gleichzeitiger, aber sehr begrenzter Anpassung und Abänderung der Ziele und Zwischenziele. Nützliches Wissen, nämlich Wissen-wie (über Mittel und Randbedingungen) wird (wenn sich ein „Anlass“ ergibt) Zielen, und einem erweiterten Selbst-Entwurf (einer Vorstellung, WIE das Selbst am besten einfach und erweitert reproduziert wird)  angepasst, in Gestalt der „eingeschlossenen“ und durch die Vorgaben vollständig determinierten Experimente; umgekehrt die Ziele und der erweiterte Selbst-Entwurf auch dem Wissen-wie angepasst, da, wo es gegenüber dem ursprünglichen Zustand deutlich weitergehende oder eingeschränktere Optionen eröffnet (in Gestalt der Reaktionen auf „nach oben“, auf die Vorgaben durchschlagende, weil im Rahmen von deren Erwartungswerten nicht mehr bewältigbare Überraschungen). Aber das Hin und Her der Anpassungsschritte spielt sich ausschliesslich innerhalb der Ausgangsstruktur ab, auf die sich der Normalplaner ständig bezieht - die „Anlässe“ für beide Anpassungen brechen nur innerhalb dieser Struktur auf - sie hat es, in Gestalt der genannten beiden Hauptabteilungen: (hypothetische) Vorgabe, und (bestätigendes) Wissen-wie, gewissermassen immer nur mit sich selber zu tun: Nie hat diese Struktur ein explizites (hypothetisches; womöglich: optimalhypothetisches) Verhältnis zum verbliebenen, riesigen Rest-Unbekannten (sondern höchstens ein implizites), nie gibt es (oder jedenfalls nicht als ständig bedachte, wichtige und den andern gleichgeordnete Praxis-Abteilung!) eine Perspektive des systematischen, kategorischen, als solches dem Inhalt nach „anlass-losen“ Forschens und Hypothesenbildens (des Suchens und Erprobens „bestätigter“ Verfahren und Erwartungen), worin man sich daran macht, diesen Bereich des Rest-Unbekannten zu verkleinern und ein übergreifend anwachsendes Erfahrungswissen zu vermehren. Ein solches generelles Erfahrungswissen über Welt-Tatsachen und ihre Zusammenhänge systematisch und anlasslos zu sammeln, liegt nicht im Horizont der Normalplaner-Praxis; nicht einmal, dass die Verbesserungen und Anpassungen dieser Praxis eine irgendwie geartete Zunahme an Komplexität, Differenziertheit oder an Wahlmöglichkeiten aufweist (für den Normalplaner wäre dies nämlich Ausdruck eines Mangels dieser Praxis: wachsender Unübersichtlichkeit und Bedingtheit der Praktiken; welche (wieder) zu reduzieren (bei ansonsten erhaltenem Reproduktionsiveau) eines seiner erklärten Fortschrittsziele ist).

23.
Nicht, dass es in der Normalpraxis garnichts einem Erfahrungswissen Ähnelndes gäbe: da war der früher immer wieder benannte „Dunstkreis“ an möglichen Wirkzusammenhängen und „Ähnlichkeitskreisen“ um Paradigmen herum, die noch nicht ausgelotet wurden, an die man „bei gegebenem Anlass“ denken, und die man dann auch einmal erproben könnte (es sind gewissermassen Anlässe zu Versuchen, denen noch der Zweck fehlt); alternative Fortschrittspfade, alternative Verteilungen des Gesamt-Budgets auf die Teilbereiche; insgesamt schlechter, oft auch nur wenig schlechter Bewährtes, Unerprobtes, Unzuverlässigeres, Komplizierteres, als das für die gegenwärtige Praxis ausgewählte Vorgehen; womöglich sogar: für ebenso gut gehaltenes, indifferente Varianten, die nur eben nicht benutzt werden; vielleicht auch ein „Dunstkreis“ alternativer Rahmenwerte, mehr oder weniger in der Nähe der gegenwärtig gültigen gelegen, die bei zukünftig noch zu erwartenden Überraschungen an deren Stelle treten könnten, und sich in entsprechenden Erfahrungsmustern abzeichnen - ohne, dass durch die Erinnerung an solch „unterschwellige“ Überraschungen die generelle Konvergenz-Erwartung des Normalplaners hinsichtlich der Rahmenwerte bereits nachhaltig erschüttert würde.
Vom Standpunkt der „Bereichs-Erwartungen“ ist es sogar, wie soeben schon festgestellt, eher als Nachteil zu betrachten, wenn man es mit einer allzu grossen Zahl von Regularitäten, Rezept-Ausgangs- und Zwischen-Bedingungen, komplexen Randbedingungen (schädlich, nützlich) zu tun hätte; ebensowenig wünschenswert wäre eine Vielfalt von Verfahrens-Optionen, von denen jeweils eine hochspezifisch passende Variante in entsprechenden hochspezifisch zu erkennenden Anwendungssituationen zu wählen wäre. Der „Dunstkreis“-Vorrat zu erprobender Wirk-Alternativen dient denn auch hauptsächlich zum Konstruieren alternativer Techniken: sei es reparativ zu reproduktiven Zwecken, oder (wenn man so will) „präparativ“ zur Nutzung erwartet produktiver Spielräume, für die noch keine konkreten Techniken existieren, aber ohne weiteres denkbar sind; Normalplaner kennen selbstverständlich - immer im Erwartungsrahmen, versteht sich! - die Möglichkeit technischer Innovationen. „Fortschritt“ ist nun einmal eine INNERHALB des geschlossenen epistemisch-ökonomischen Raums der gegenwärtigen Normalität durchaus vorgesehene, und zwar im allgemeinen sogar „normale“ Betätigungsrichtung - mit zugehörigen Erwartungen, und fest in deren Rahmen eingespannt.

24.
Tatsächlich aber ist der Gedanke einer fortlaufenden „Verbesserung“ der Normalpraxis als ganzer - jenseits des zuletzt erwähnten Produktivitäts-Fortschritts, oder Fortschrittspfades ((der ein (erfahrungsabhängiges, erfahrungsabhängig korrigierbares und „verbesserbares“) Gebilde INNERHALB des Ganzen dieser Praxis darstellt)) - für den Normalplaner mit gewissen Schwierigkeiten behaftet: Schliesslich unterstellt ein Normalplaner (bis auf weiteres), dass er genug weiss; und dass, wo nicht, er es immer gerade rechtzeitig erfahren wird, nämlich zusammen mit der Erkenntnis, BIS DAHIN nicht genug gewusst zu haben, ABER AB JETZT. Die Normalpraxis ist, im besten Falle, „normal“, das heisst: es kommt alles so, wie erwartet (so gut, und auch weniger gut) - nicht besser, nicht schlechter. Sogar Einbrüche des Unkalkulierbaren, Überraschungen im guten wie schlimmen, vor allem letztere, im Rahmen der Risiko-Abschätzung und Dringlichkeitsvorgaben, sind in gewissem Umfang eingeplant. Wirkliche Überraschungen beginnen erst jenseits davon. - Aber auch dort öffnet sich ein gewisser Toleranz-Spielraum - in Gestalt der nach oben durchschlagenden Ziel- und vor allem Erwartungsanpassungen, bis hin zur Anpassung der Rahmenwerte, oder ihre Anbindung an bestimmte (aus der Vorgeschichte sich als solche anbietende) Bedingungen (Verlaufsmuster, Anzeichen etc.).
WENN das Normalpraxis-Konzept scheitert, dann nicht, wie wir sahen, weil es öfter neu-angepasst werden muss, oder in ihm die ein oder andere Kategorie unter Bedingungen tritt, unter Umständen auch einmal solche komplexerer Art. Sondern daran würde es scheitern: dass die einzigen Grössen, an denen „Lernerfolge“ in Gestalt von Anpassungen sich gemäss den Anfroderungen des Normalplaners an eine sich ausweitende Erfahrungsgeschichte einstellen müssen, nämlich Rahmen-, Bereichs- (nämlich Bewältigbarkeits-) und (als Spezialfall davon) Klassifizierbarkeits- und „Einordenbarkeits“-Erwartungen, aus dem Ruder laufen: Die Rahmenwerte NIE, nicht einmal annähernd, dauerhaft auf (und sei es auch verlässlich bedingte) Werte hin konvergieren; auf der Bereichsebene Formen von Komplexität und/oder Instabilität oder „atypischen“ Fällen in der Umgebung auftreten, die nicht mehr „bewältigbar“ (dh. ZUGUNSTEN-von= FÜR-das oder MIT-dem vorgegebene(n) „erweiterte(n) Selbst“) sind; Formen des Neuen auftreten, die unter keine wie auch immer geartete „Anlass“- oder „Ähnlichkeitsklasse“ subsumiert werden können.

25.
Lernen, im Sinne eines ständig weiterlaufenden Aufnehmens neuer Information (Beobachtung), passiv, oder aktiv gesucht und (explorierend) aufgesucht, spielerisch untersucht, abgewandelt, bis hin zu mehr oder weniger systematischen Experimental-Anordnungen: das ist in der Normalpraxis nicht vorgesehen; geschweige denn, dass die Normalpraxis als Ganze als Experiment (ein So-Tun-als-ob visavis des riesigen Rest-Unbekannten und ungewusst-Ungewissen) gesehen würde. Die Maximen dieser Praxis können sogar, übertrieben formuliert, gelesen werden als ein Katalog dessen, worauf bis auf weiteres NICHT geachtet werden muss, und was alles ignoriert werden darf - weil das einzig Wichtige eben auch ein Bekanntes, oder Bekanntem spätestens hinreichend Ähnliches sein wird; jedenfalls kein Grund zur Beunruhigung, und kein „Anlass“ für „zweckloses“, nämlich zweckfreies Herumprobieren.
Aus Sicht des Normalplaners nicht anders als unserer könnte solch ein ständig nachfliessender Informations-Fluss aus Beobachtung und neuen Erfahrungen zunächst nur auf der technischen Ebene verwertet werden; aber dort geschieht in der Normalpraxis „normalerweise“ nichts, wenn kein Anlass, in Gestalt eines „Zwecks“ vorhanden ist, dem das dienen könnte.
In der Normalpraxis ist es also kaum vorstellbar, dass ein ständiger Fluss von Beobachtungen, und zwar womöglich noch aktiv „gesuchter“, ebenso ständig umgesetzt werden könnte in passend erscheinende Versuche, deren Resultate, sobald sie verlässlich genug erscheinen, ihrerseits umgesetzt werden können in mögliche Verwertungsformen und Techniken, zu denen dann noch womöglich neue Ziele erfunden werden, denen sie dienen könnten (die man sich, ohne solche „gesuchten“ Optionen, nie von sich aus gesetzt hätte; nicht als Ziele, jedenfalls, höchstens als Wunschtraum und utopische Phantasie ausgestaltet).

26.
Derartiges widerspricht vielmehr dem „Geist“ des Normalplanens diametral: Er organisiert sein Ziele-Setzen und -Gestalten grundsätzlich nicht in dieser Richtung - ausgehend vom technisch Möglichen, hin zum maximal ausgeschöpften Verwerten und womöglich experimentellen Ziele-Setzen; also von „unten“ nach „oben“, von der technischen Ebene hin zur Ebene dessen, was man glaubt erwarten und sich erhoffen zu dürfen, und wissen und demnächst leisten zu können - vom woMIT ausgehend, statt vom woFÜR, die Rahmen- und Bereichs-Erwartungen konsequent ableitend aus dem technisch verfügbaren Wissen über Wirk-Zusammenhänge und Sachverhaltsprognosen unterschiedlichster Art (bei denen, für sich genommen, oft erst noch garnicht feststeht, „woFÜR“ sie gut sein könnten: die Zwecke ergeben sich erst mit den Möglichkeiten...)
Eine Normalpraxis ist vielmehr von Rahmen-Erwartungen ausgehend nach unten konstruiert: ein System von Erwartungen E oder Ee, die sich freilich - im Sinne von „SHE“, genauer: „EsHEe“ - an „erwartete“ Situationen bestimmten Typs Se und darauf antwortende, bekanntermassen (FÜR das hypothetische „erweiterte Selbst“)  zweckmässige Umgangsformen damit, H, anschliessen - an präzise so erwartete (Randbedingungen, technische Dispositionen) Typen von Situationen Es (die bekannten); oder auch an weniger präzise, aber „ungefähr so, oder so ähnlich“ erwartete (die noch nicht ganz bekannten; solche aus dem „Dunstkreis“; einordenbar Neues usw.).
Und mit anderm wird erst einmal nicht gerechnet; es sei denn, es verändert die Rahmenwerte, oder Stabilitäts-Erwartungen und Ähnlichkeitsklassen, und darauf bezügliche Erwartungen eines „lohnenden Wissenserwerbs durch Versuche“ aus gegebenem „Anlass“. - Und spätestens AB DANN gilt: ein System von Erwartungen, die sich freilich... an Situationen bestimmten Typs anschliessen usw. usw.