Selbstbestimmung als Aufgabe

Die Texte auf dieser Seite sind KEINE Theorie-Darstellungen, sondern bestenfalls Vorstadien dafür ("Überlegungen"). Das bedeutet:

1. Es gibt immer wieder Gedankenstränge, die abbrechen, und erst später oder gar nicht mehr verfolgt werden; ermüdende Wiederholungen, mit anderen Gedanken dazwischen; deutlich verbesserte und gelungenere Darstellungen noch lang nach dem ersten Versuch, der vermeintlich erfolgreich abgeschlossen war. Diese Umwege sind nur zu entschuldigen, wenn und weil es sich um unfertige Bergifflichkeiten und fehlende Einsichten in Zusammenhänge handelt, die sich erst unterwegs einstellen.

2. Den "Überlegungen" liegen offenkundig fertige Konzepte und Entwürfe zugrunde, die anfangs erst einmal ausgeführt werden, das erklärt, warum zu Beginn meist noch stringente Gedankenzüge entwickelt werden - solang, bis es schwierig wird, und die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Thesen immer unklarer erscheinen. Dann beginnt die mühselige Arbeit des Verwebens und Ineinanderarbeitens der ersten "Intuitionen" - neue kommen hinzu, anfänglich stark hervorgehobene und "stützende" Sätze werden neu formuliert, Gewichte verschieben sich hin zu anderen Sätzen, die wichtiger erscheinen. Die Formel "es ist nicht falsch, aber der entscheidende Punkt ist noch nicht getroffen" beginnt, sich in bestürzender Weise zu wiederholen. Exkurse werden nötig, die den Gang aufhalten. Diese Mühen sind eine Zumutung für Leser, die vielleicht ganz anders angesetzt hätten, und deren Anfangsintuitionen womöglich solchen Inhalt haben, wie er im Text erst nach quälenden Zwischenüberlegungen gewonnen wird. Das wurde in der Einleitung beschrieben als "Unvermitteltheit" der Anfänge. Da die noch viel quälenderen Untersuchungen, die zu den ersten kohärenten Konzepten geführt haben, nicht zugänglich gemacht werden, wird auch nicht verständlich, warum zumindest subjektiv mit diesen und nicht anderen (für den Leser womöglich näherliegenden) Konzepten angefangen wird.
All dies sind notwendige Gebrechen, an denen "Überlegungen" leiden.

3. Als Ersatz für die fehlende Vermittlung des Anfangs fehlen dann auch fast durchgehend die Anknüpfungs- oder Absetz- und Kritikpunkte gegenüber existierenden Theorien, wie sie besonders in akademischen Abhandlungen üblich sind. Zur Unvermitteltheit kommt dann der Schein der Überheblichkeit, sich über schon Geleistetes einfach hinwegsetzen zu dürfen und noch einmal von vorne anfangen zu wollen.
Dies alles wird entschuldigt einzig durch ein Resultat, das aber erst nach langen Durststrecken zu erreichen ist und bloss versprochen wird.

4. Schliesslich tauchen immer wieder Berührungspunkte zu anderen Systemteilen auf, die dem Leser nicht ebenso bekannt sein können wie dem Autor.

Diese Lektüre-Hindernisse sind ENORM. Leider sind sie typisch für Arbeiten, die versuchen, systematische Zusammenhänge zu erhellen und zu begreifen. Es bedarf wahrscheinlich einer ähnlichen Motivlage (Interesse an weit reichenden Zusammenhängen) bei Lesern, um sich über die Hindernisse hinwegzusetzen. Bloss material orientierte, also an Analysen zu Einzelthemen sich entzündende Lesemotive können hier nicht befriedigt werden, selbst dann, wenn Lösungen bezüglich des interessierenden Themas bloss aus dem Systemzusammenhang zu erwarten sind. Der Aufwand ist für solche Leser trotzdem zu gross, und das Versprechen einer Antwort irgendwann später reicht nicht.